Charivari 98.6 Nachrichten

Unions-Politiker fordern Sauerlands Rücktritt

30.07.2010 :: Basis / Vermischtes

Tausende zur Trauerfeier für Opfer der Loveparde-Katastrophe in Duisburg erwartet

Duisburg (ddp). Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) gerät auch in Unions-Kreisen immer stärker in die Kritik. Sauerland trage die politische Verantwortung für das Loveparade-Desaster, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU). CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl urteilte, die Loveparade hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen. Die Duisburger Linke-Ratsfraktion verschickte einen Antrag zur Abwahl Sauerlands an die Mitglieder des Stadtrates, die FDP sagte Unterstützung zu. Zuvor hatten bereits SPD-Politiker Sauerland den Rücktritt nahegelegt.

Der Oberbürgermeister lehnte unterdessen erneut seinen Rücktritt ab. Medienmeldungen, dass er aus seinem Amt ausscheide, seien falsch, erklärte ein Stadtsprecher.

Genau eine Woche nach der Katastrophe wird am Samstag (31. Juli, 11.00 Uhr) in der Duisburger Salvatorkirche der Opfer gedacht. Zur Trauerfeier werden unter anderen Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erwartet. Oberbürgermeister Sauerland wird der Feier fernbleiben.

Die Polizei rechnet mit Tausenden Besuchern. Deswegen wird der ökumenische Gottesdienst auch auf Großbildleinwänden in und vor der Duisburger MSV-Arena übertragen. Die Trauerfeier kann auch in mehreren Kirchen der Stadt und im Fernsehen verfolgt werden. Deutschlandweit werden am Samstag die Flaggen vor Bundesbehörden auf Halbmast wehen. Am Samstagnachmittag soll vom Duisburger Hauptbahnhof zudem ein Trauermarsch zur Unglücksstelle ziehen. In den Tunnel selbst können die Trauernden aber nicht. Aufgrund der zahlreichen Teilnehmer werde das Bauwerk aus Sicherheitsgründen gesperrt, sagte ein Sprecher der Polizei. Nach Angaben der «Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung» wird der Krisenstab der Stadt am Samstag ab 8.00 Uhr tagen.

Bosbach sagte, er könne zwar verstehen, dass Sauerland nicht mit einem Rücktritt den Eindruck eines womöglich sogar strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle. Ein solches Amt sei aber nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden. Der Duisburger FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies forderte: «Sauerland muss die politische Verantwortung für die Loveparade-Tragödie übernehmen und das Amt abgeben.»

Uhl sah auch eine Teilschuld der Polizeiführung. Wie jetzt bekannt wurde, hatte die Feuerwehr am Unglückstag eine Sperrung der Zugangsrampe zum Veranstaltungsgelände davon abhängig gemacht, dass «der Nachlauf in den Karl-Lehr-Tunnel durch die Polizei verhindert wird». Das berichteten die «Rheinische Post», die «Bild»-Zeitung und die «WAZ»-Zeitungen vorab unter Berufung auf einen Bericht der Feuerwehr Duisburg.

Aus Polizeikreisen wurden die Vorwürfe zurückgewiesen. Demnach hatten die Ordner des Veranstalters zugesagt, die Schleusen zum Tunnel bei zu großem Publikumsandrang zu schließen. Dies sei entgegen der Absprache mit der Polizei aber nicht geschehen, hieß es. Dadurch sei es zu dem großen Andrang gekommen, der dann an der Rampe zu der Massenpanik geführt habe.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Steuerzahlerbundes käme Sauerland ein Rücktritt finanziell teuer zu stehen. Der Politiker verlöre dadurch sämtliche Ansprüche auf Dienstbezüge und Versorgung, sagte Justiziar Heinz Wirz. Dem widersprach der Deutsche Beamtenbund. Sauerland würde die Ansprüche auf seine Beamtenpension als früherer Berufsschullehrer behalten.

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz forderte eine gesetzliche Versicherungspflicht für Veranstalter. Die Versicherung in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro, die Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller abgeschlossen habe, werde nicht ausreichen. Schaller und die AXA Versicherung haben Soforthilfen von insgesamt einer Million Euro angekündigt.

Derweil ist die 63 Mitglieder starke Ermittlungsgruppe «Loveparade» komplett. Alle Beamten aus anderen Behörden sind seit Donnerstag in Köln mit der Aufklärung der Ursachen für das Unglück mit 21 Toten beschäftigt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. 25 bei der Loveparade verletzte Menschen befanden sich am Freitag noch in Krankenhäusern.

ddp

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